Hamburg

Der Fachverband Fußverkehr Deutschland, vertritt seit über 30 Jahren die Interessen der Fußgänger in Deutschland. Er setzt sich für eine enge Kooperation aller Verkehrsmittel des "Umweltverbundes" - Fußgänger, Radfahrer und die Benutzer von Bussen und Bahnen - und damit für eine nachhaltige Mobilität im Nahverkehr ein.

Nach einem Unfall beim Wandern in den Bergen, habe ich mein Auto verkauft. Das war vor zehn Jahren. Seitdem gehe ich fast nur noch zu Fuß. Besitze auch kein Fahrrad, dafür einen Schrittzähler, der die gelaufenen Kilometer aufzeichnet.

Heute ist mein freier Tag. Keine Arbeit, keine Termine; auf dem Zettel einige Besorgungen, die mich in vier Stadtteile führen werden.

Schietwetter! Es regnet! Egal. Außerdem zwickt der Ischias! Zu lange gesessen!

In Eimsbüttel geht es los.
Schnell noch ein Buch abgeholt, dann mit der U-Bahn bis Messehallen – durch Planten un Blomen laufen, hier sieht man immer welche Blumen zu welcher Jahreszeit blühen, Büsche, Bäume.......
gehen, gehen macht einfach Spaß, frische Luft.......Der Regen läßt langsam nach.
In die Rothenbaumchaussee...... die Radfahrer, die Radfahrer sind natürlich auch unterwegs! Ich muß die Baustellen umrunden, unglaublich wo die überall entstehen, aber die kann ich ja als Fußgänger leichter überwinden als die Autos, denn auch hier gibt es den Knopf für die Fußgängerampel, g r ü n!!!!!! und die Autos müssen warten, wunderbar! Die Fußgängerampel ist eine der größten Erfindungen, denke ich.

Das Geschäft des Optikers liegt auf dem Weg, ich bekomme eine neue Kontaktlinse; dann geht es weiter in Richtung Eppendorf; dort wartet ein Freund mit Gipsbein auf etwas Obst, Gemüse und Brot. Wir trinken einen Kaffee - ---- dann weiter an die Alster, auch hier wieder die Radfahrer, einige kommen mir entgegen mit dem Gesichtsausdruck unter dem Helm: „Hau ab, hier fahre ich.“

Der Blick auf die Alster! Herrlich, Schwäne, Schiffe, unterwegs treffe ich noch andere Fußgänger mit Kindern und Hunden. Auf der Krugkoppelbrücke läuft mir ein Kollege in die Arme, wir halten einen kleinen Plausch......weiter, weiter........ keine Baustellen erst mal in Sicht, das Wetter hat sich gebessert, der Ischias auch, mein Schrittzähler zeigt 6 Km, super.

Ich erspare mir ein Fitneßstudio, brauche kein Laufband, Jogger hasten an mir vorüber, keuch, keuch, einer schiebt sogar einen Kinderwagen, in einem Tempo! Ich fasse es nicht....bin in Winterhude angekommen, buntes Leben vor den kleinen Läden, ich entdecke ein neues Cafe, schnell noch ein Haarwaschmittel beim Friseur abgeholt, H u n g e r! Beim Italiener gibt es Penne vegetarisch, dann weiter wieder an die Alster Richtung Jungfernstieg, erneut Baustellen, plötzlich kommt mir ein junger Mann auf einem hoverboard entgegen, nein auch das noch, der sollte doch eigentlich auf der Straße fahren! Oder??

Einmal noch um die Binnenalster und am Jungfernstieg Tintenpatronen holen, ein neuer Laden lädt zum Stöbern ein; der Schrittzähler zeigt zwölf Kilometer, Donnerwetter, ich bin geschafft. Bewegung, Bewegung, düstere Gedanken werden einfach weggegangen, die U-Bahn bringt mich wieder nach Eimsbüttel...............
Das war ein Tag im Leben einer Fußgängerin.

Elisabeth Pagitz

Oktober 2016

Herausgeber:

FUSS e.V. setzt sich für eine nachhaltige Mobilität, für die Förderung des Umweltverbundes (Gehen. Radfahren, öffentliche Verkehrsmittel) und als Lobby für die Belange der Fußgänger ein.

Informationen zum Vorstand, zur Bundesgeschäftsführung und zum Vereinsregistereintrag, die alle vom FUSS e.V. herausgegebenen Websites betreffen, finden Sie im Impressum von www-fuss-ev.de.

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Blockdurchwegung im Schanzenviertel (Foto: Sonja Tesch)

Hamburg hat viele Wege, die nur zu Fuß benutzt werden können. Man denke beispielsweise die Wallanlagen oder an den Weg von Övelgönne bis Wittenberge. Andere wichtige Verbindungen und Abkürzungen für Fußgänger sind z.B. die Durchquerungen der Kontorhäuser in der Innenstadt. Wege und Wegeverbindungen dieser Art machen Hamburgs Charme für Geher, Spaziergänger und Flaneure aus.

Im Mai 2007 wurde in Kooperation zwischen dem Verlag Pharus-Plan und dem FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland ein neuer Stadtplan "Hamburg - City" herausgegeben, der speziell auf die Belange zu Fuß gehender Menschen zugeschnitten war. In der unterdessen erhältlichen erweiterten City-Ausgabe sind die Stadtteile Altona, St. Pauli, St. Georg, Neustadt, Altstadt, Klostertor, Eimsbüttel, Rothebaum, Hohenfelde, Neumühlen, Ottensen und Langenfeld - mit Norderelbe, Binnenalster und Außenalster dargestellt. Dieser City-Plan ist in deutscher und englischer Sprache erhältlich. Der City-Plan erscheint regelmäßig in überarbeiteter Fassung.

Aufgrund der großen Nachfrage, durch die Stadterkundungen von FUSS e.V.-Mitarbeitern und nicht zuletzt auch durch Hinweise der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt erschien im Mai 2009 der erste Plan für Fußgänger östlich der Alster. Der Plan „Hamburg-Barmbek, -Wandsbek“ umfaßt den Bereich zwischen dem Hauptbahnhof im Westen und Horn im Osten, Steilshooper Allee im Norden und Rothenburgsort im Süden.

Die Faltkarten kosten 2,50 Euro (deutsch) bzw. 2,00 Euro (englisch) und enthalten im Maßstab 1:12.000 (Ctiy-Pläne) bzw. 1:13.500 (Bezirksplan) zahlreiche Informationen für Fußgänger, die in herkömmlichen Stadtplänen oft nicht oder nur unvollständig zu finden sind. Sie können sie im Buchhandel oder im Online-Shop des Verlags Pharus-Plan kaufen

Darüber hinaus steht ein Online-Stadtplan unter www.hamburger-stadtplan.com zur Verfügung, der in ausgewählten Abschnitten herunterladbar ist.

Sie sind mehr ein "Hörer-Typ" als ein "Lese-Typ"? Kein Problem, die Fußgänger-Stadtpläne kann man auch hören: Das Programm "NDR 90,3" des Norddeutschen Rundfunks hat einen Beitrag über den Plan für Hamburg gesendet.

zum Radio-Beitrag auf Youtube ...

Helfen Sie mit, damit im Fußgänger-Stadtplan für Hamburg möglichst viele der schnellen und attraktiven Verbindungen für Fußgänger aufgezeigt werden. Machen Sie mit, es macht Spaß und es gibt ein unmittelbares Ergebnis.

Wenn Sie Tipps, Anregungen, Fragen haben oder wenn Sie Lust haben, sich an der Erforschung der fußgängerfreundlichen Seite Hamburgs zu beteiligen, wenden Sie sich bitte an:
Sonja Tesch
Scheplerstr. 80
22767 Hamburg
Tel. 040/ 432.80.837
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.fussgaenger-stadtplaene.de

 

 

 

 

 

 

Der Altonaer Grünzug bietet Anwohnern sowie Touristen attraktive Erholungsflächen und stellt für Fußgänger eine wichtige Verbindung zwischen dem Hafen (Fischmarkt) und den nördlichen Wohngebieten Altonas dar. Durch die starke Trennwirkung einiger ihn durchquerender Straßenzüge sowie zum Teil missverständliche Wegeführungen ist allerdings sein Charakter als Grünzug kaum erkennbar. An einigen Stellen ist eine Überquerung der Fahrbahn im direkten Verlauf des Grünzuges kaum ohne die Gefährdung von Leib und Leben möglich. So entstehen Unfallgefahren für risikofreudige und große Umwegen für risikoscheue Personen. Wegen der starken Umwegempfindlichkeit von Fußgängern verliert der Grünzug dadurch deutlich an Attraktivität.

Karte des Untersuchungsgebiets vom Altonaer Fischmarkt bis zum Holstenplatz

Da der Grünzug Altona eine wichtige innerstädtische Fußwegeverbindung darstellt, hat die Ortsgruppe Hamburg des FUSS e.V. hier ein Fußverkehrsaudit durchgeführt, Dabei wurde seit dem Frühjahr 2010 die Qualität der Querungsstellen im Verlauf des Grünzuges für Fußgänger untersucht. An allen sieben Querungsstellen wurden dabei größere oder kleinere Mängel festgestellt. Die Ergebnisse und Lösungsvorschläge finden Sie im Projektbericht:
Projektbericht Fußverkehrs-Audit Querungsanlagen Grünzug Hamburg-Altona 16 Seiten DIN A4, PDF)

An der Bertha-von Suttner-Staße wurde unser Vorschlag übernommen, an der Thadenstraße teilweise. Das sind Nebenstraßen. Leider kommen wir an den Hauptverkehrsstraßen nicht weiter. Auch wenn unsere Vorschläge von der Bezirksversammlung übernommen wurden, werden sie regelmäßig von der Innenbehörde/Polizei abgelehnt.

 

Zwei Beispiele für Maßnahmenempfehlungen:

Foto mit eigezeichneten Massnahmenempfehlungen

Querungsstelle des Grünzugs mit der Max-Brauer-Allee

  • Die Querung der Fahrbahn durch Fußgänger an dieser Stelle mit Hilfe einer Lichtsignalanlage sichern. Diese könnte mit der LSA an der Suttnerstraße parallel geschaltet werden.
  • Auf beiden Straßenseiten die Bordsteine absenken, um auch gehbehinderten Perso- nen eine hindernis- und umwegfreie Querung zu ermöglichen.

 

 

 

Foto mit eigezeichneten Massnahmenempfehlungen

Querungsstelle des Grünzugs mit der Louise-Schroeder-Straße

  • Dringend eine gesicherte Querung für Fußgänger einrichten.
  • Den Trampelpfad baulich befestigen.
  • Über eine generelle Verengung der Fahrbahn ist nachzudenken und im Bereich der Querungsstelle sollte mit Hilfe von Fußgängerkaps der Weg für querende Fußgänger freigehalten sowie ausreichende Sichtachsen zwischen Fußgängern und Kraftfahrzeugführern hergestellt werden.
  • Es sollten beidseitig Radfahrstreifen angelegt werden. Dann könnte auch die Fläche des derzeitigen Radweges auf der nördlichen Straßenseite dem Fußverkehr zukommen, indem der Radweg östlich und westlich durch das Einfügen von Gehwegplatten gekappt wird. Vor allem bei Dunkelheit ist zu beobachten, dass der Fußweg innerhalb der Grünanlage nicht akzeptiert und der Radweg benutzt wird.
  • Auf beiden Straßenseiten sollten die Bordsteine abgesenkt werden, um auch gehbe- hinderten Personen eine hindernis- und umwegfreie Querung zu ermöglichen.
Kartenausschnit von Hamburg mit den untersuchten Stellen

 

 

Karte: Verlag Pharus-Plan - www.hamburger-stadtplan.com

Zu-Fuß-zur-Schule-Tag 2012 (Fotos: Sonja Tesch)

Viele Eltern wählen für den Weg ihrer Kinder zur Schule das Auto und tragen so unbewusst zu starkem Verkehr rund um die Schulen bei. Sie wollen Sicherheit für ihre Kinder, schränken aber die Entwicklung ihrer Kinder ein, wenn sie das Elterntaxi einsetzen. Denn der Fußweg zur Schule trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei, denn:

  • Kinder werden selbstständig
  • Kinder bauen Freundschaften zu anderen Kindern auf
  • Kinder sind umweltbewusst
  • Kinder trainieren sicheres und bewusstes Verkehrsverhalten
  • Kinder laufen und bewegen sich gern
  • Kinder werden wach und fit

Erfreulicherweise organisiert die Schulbehörde seit langem den jährlichen weltweiten Zu-Fuß-zur-Schule-Tag, an dem wir uns auch beteiligen.

www.zuFusszurSchule.de

 

 

 

 

Fußgänger_innen nutzen auch den öffentlichen Nahverkehr. Deshalb beschäftigen wir uns ebenfalls mit diesem Thema.

In Briefen an die Busunternehmen, den HVV und die Stadt haben wir detailliert Mängel beim Busverkehr aufgelistet und um Verbesserung gebeten.

Kritikpunkte waren: zu früh fahrende Busse, ruckartige Bremsvorgänge, falsches Ansteuern der Haltestellen, zugeparkte Busbuchten, unzuverlässige elektronische Anzeigen, mit Werbung beklebte Fensterflächen, schlechte Fahrgastinformation und dass die Fahrgäste zur Ticketkontrolle immer vorn einsteigen müssen.

Auf die völlig unvollständigen Antwortschreiben haben wir erneut nachgehakt und auf Klärung auch der nicht beantworteten Fragen gedrängt.

Da wir keine Besserung feststellen, werden wir das Thema weiter im Auge behalten.

Brief an die im HVV in Hamburg fahrenden Busunternehmen (PDF)
Brief an Senatoren (PDF)

Woran erkennt man die Lebensqualität einer Stadt?
„Der Grad der Freiheit und Ungestörtheit, mit dem Menschen zu Fuß gehen und in die Gegend schauen können, bietet einen guten Maßstab für die Beurteilung der zivilisatorischen Eigenschaften eines Stadtgebiets.“ Das schrieb der britische Stadtplaner Colin Buchanan bereits 1964 in dem Buch „Verkehr in Städten“.

Heute sagt der Kopenhagener Städteplaner Jan Gehl: „Schauen Sie, wie viele Kinder und alte Menschen auf Straßen und Plätzen unterwegs sind!" Hamburg schneidet da nicht gut ab.

Hamburgs Fußwege sind oft sehr schmal, Familien gehen im Gänsemarsch hintereinander her und Entgegenkommenden auszuweichen wird aus Platzgründen schnell zum kleinen Problem – mit Regenschirm zum größeren.

Zudem werden diese Gehwege ganz legal und politisch gewollt auch von Menschen mit sogenannten "besonderen Fortbewegungsmitteln" genutzt.

Beispielsweise von Kindern auf Fahrrädern mit erwachsenen Begleitpersonen, sowie von Kindern mit Gokarts, Dreirädern, Laufrädern, Tretrollern, Kindermotorrädern. Hinzu kommen bei den Älteren Skateboards, Waveboards, Inlineskater etc.

Auch Menschen mit Rollatoren und Rollstühlen sind auf die Gehwege angewiesen. Seit einiger Zeit gibt es sogenannte Elektromobile, die ebenfalls den Fußweg nutzen dürfen, solange sie nicht schneller als 6 km/h fahren, was noch als Schrittgeschwindigkeit gilt, aber auch kaum zu kontrollieren ist. Zurzeit läuft in Hamburg sogar ein Versuch mit der Paketzustellung durch Roboter, die ebenfalls den Fußweg nutzen sollen.

Das Problem: Zum einen sind die Fußwege oft viel zu schmal für diese vielfältige Nutzung, zum anderen müssen sich Fußgänger darauf einstellen, von Fahrzeugen, die schneller sind als sie selbst, von hinten überholt zu werden. (Die Alltagsgeschwindigkeit eines Fußgängers liegt zwischen 2,9 und 5 km/h, ein behinderter Mensch ist evtl. deutlich langsamer).

Ein weiteres Problem: Für keine der genannten Nutzergruppen besteht die Verpflichtung zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung, sodass ein Geschädigter möglicherweise für alle Kosten und Folgekosten eines Unfalls selber aufkommen muss. Die Konsequenzen der durch „besondere Fortbewegungsmittel“ bedingten Unfälle auf dem Fußweg sind glücklicherweise häufig nicht so gravierend, dass die Polizei eingeschaltet wird. Das führt allerdings gleichzeitig auch dazu, dass das Ausmaß des Problems für Fußgänger in der Öffentlichkeit und Verkehrspolitik nicht ausreichend deutlich wird.

Falls Sie selbst betroffen sein sollten, wenden Sie sich deshalb bitte gerne an uns.

Unsere bisherigen Aktivitäten dazu:

Wir haben einen Leserbrief zu dem Versuch der paketzustellenden Roboter geschrieben:
Leserbrief zu Robotern (PDF)

Hamburg soll Fahrradstadt werden. Der FUSS e.V. Hamburg begrüßt es, dass nach jahrzehntelanger Planung um und für das Auto in unserer Stadt ein Perspektivenwechsel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität in der Stadt stattfindet. Aktive Mobilität, wie das Zufußgehen und das Fahrradfahren, ist emissionsarm und damit umwelt- und klimafreundlich, sie trägt zu Gesundheit und Wohlbefinden bei, und sie belebt die Stadt.

Radverkehrsförderung sollte aber den Schutz der Zufußgehenden nie aus den Augen verlieren. Fußgänger sind die verletzlichsten Verkehrsteilnehmer und verdienen besondere Rücksicht. Der FUSS e.V. Hamburg ist deshalb gegen die gemeinsame Führung des Fuß- und des Radverkehrs auf dem Hochbord. Das betrifft gemeinsame Geh- und Radwege, Gehwege mit „Fahrrad frei“-Zeichen und zum großen Teil auch Radwege, wenn sie in Mindestbreite direkt neben den Gehwegen angeordnet sind. Radfahrer gehören auf die Fahrbahn.

Wir haben diese Konflikte in einem Statement zusammengefasst:
Wir FußgängerInnen mögen keine Radwege auf dem Gehweg weil... (PDF)

So nicht! Neuer Radweg in der Stresemannstraße (Foto: Sonja Tesch)

Das Radverkehrsvolumen steigt in Hamburg stetig an. Durch die Radverkehrsförderung wird sich diese Tendenz noch verstärken. Zudem sind Radfahrer durch verschiedene Technologien, insbesondere dem Trend zum eBike, teilweise mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs. Diese Radfahrer überholen dann langsamere Radler, und dabei passiert es nicht selten, dass auf den Gehweg ausgewichen wird und dort Fußgänger knapp passiert werden. Das ist für die Fußgänger im besten Fall unangenehm, oft aber wirklich gefährlich.

Ein zweiter Grund ist die Erweiterung der Rad­verkehrs­infra­struktur in der Zukunft. Bei weiter steigendem Radverkehrsaufkommen sollten Rad­verkehrs­anlagen entsprechend erweitert werden. Liegen diese auf dem Hochbord, kann das nur zulasten der Gehwege oder des Stadtgrüns gehen. Es darf nicht sein, dass Radverkehrsförderung zulasten der nachhaltigsten Form der Mobilität geht. Die Verlegung des Radverkehrs auf die Fahrbahn ist daher die einzig richtige Lösung – übrigens
auch für die Sicherheit der Radfahrer.

So mögen wir es! Radstreifen im Neuen Kamp (Foto: Sonja Tesch)

Leider erleben wir in Hamburg gerade, dass viele Radfahrer auf den Gehwegen fahren, selbst dort, wo keine Radwege sind. Teilweise hat sich das durch jahrelange Gewohnheit etabliert, denn Radfahrer sind in den letzten Jahrzehnten in die sogenannten „Nebenflächen“ verdrängt worden, wo handtuchbreite Radwege auf Kosten der Gehwege eingerichtet wurden. Teilweise liegt es auch daran, dass Radfahrende Angst vor dem Fahren auf der Fahrbahn haben. Viele Radfahrer nutzen die Gehwege zudem, um linksseitig zu fahren, was sie sich auf der Fahrbahn nicht trauen würden, oder um Kopfsteinpflaster zu vermeiden. Auf dem Gehweg zu fahren, ist aber keine akzeptable Lösung, denn der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Radfahrern und Fußgängern ist hoch – er ist proportional zu dem zwischen Autofahrern und Radfahrern.

Zudem herrscht im Verkehr allgemein ein zunehmend aggressives Klima, auch auf den Gehwegen. Nicht selten werden Fußgänger „weggeklingelt“ oder mit hohen Geschwindigkeiten passiert, wo das Radfahren nicht einmal erlaubt ist.

Wir fordern:

Aus diesem Grund brauchen wir auf den Gehwegen effektive Polizei-Kontrollen. In Fahrradstädten wie zum Beispiel Münster gibt es eine Fahrradstaffel der Polizei, die ständig kontrolliert und sanktioniert und damit auch informiert, denn oft kennen die Verkehrsteilnehmer die Regeln gar nicht. Die derzeitige Praxis in Hamburg, beide Augen zuzudrücken, fördert ein Klima der Rücksichtslosigkeit, das es vielen Menschen verleidet, sich im öffentlichen Raum aufzuhalten.

Gehwege sollten für den Fußverkehr, zum Gehen und Verweilen, zum Spielen und zum Klönen genutzt werden können. Rollstuhlfahrer und Menschen, die einen Rollator benutzen, sollten überall komfortabel hingelangen können, ohne an den Bordsteinabsenkungen und Rampen von Radlern abgedrängt zu werden. Menschen mit eingeschränkten Sinneswahrnehmungen sollten auf den Gehwegen in Ruhe fortkommen, ohne damit rechnen zu müssen, dass ein Fahrradfahrer von hinten an ihnen vorbeischießen könnte. Von Kindern sollte man auf dem Gehweg nicht verlangen, dass sie den Schulterblick üben, bevor sie sich von der sicheren Hauswand gen Mitte des Gehweges bewegen. Schließlich sollten Menschen auch zu zweit nebeneinander gehen und sich unterhalten können. Während dem Radverkehr auf der Fahrbahn eine angemessene Fläche zur Verfügung gestellt wird, sollten Radwege zurückgebaut und die Fläche wieder ausschließlich den Fußgängern zur Verfügung gestellt werden. Fußverkehr belebt die Stadt und braucht einen geschützten Raum.

Hierzu haben wir die Behörden und Politiker angeschrieben:
Schreiben an Behörden "Förderung des Radverkehrs zu Lasten des Fußverkehrs" (PDF)

Das Parken auf Gehwegen ist in Hamburg zur Normalität geworden. Der „Parkdruck“ und Gehfaulheit veranlassen Autobesitzer dazu, ihre Autos auch illegal auf den ohnehin schon baulich stark eingeschränkten Gehwegen abzustellen. Seitens der Polizei ist in der Regel keine Hilfe zu erwarten. Selbst wenn einmal ein Polizeimitarbeiter vor Ort eine Runde dreht, ist die Solidarität mit den Falschparkern häufig groß. Stehende Fahrzeuge (man könnte also tatsächlich von Stehzeugen sprechen) benötigen im Gegensatz zu allen anderen Fortbewegungsmitteln viel Platz im öffentlichen Raum und haben auf Gehwegen nichts zu suchen.

Oft werden von der Polizei Personalmangel oder die Personalkosten als Grund für ein Nichtdurchgreifen angegeben. Dabei würde sich der Einsatz in den innerstädtischen Stadtteilen bereits nach wenigen Metern Straßenraum durch abschreckende Strafzettel rechnen.

Auch werden die Kosten der Schäden nicht berücksichtigt, die die Pkws und Lkws an den Gehwegen verursachen. Besonders die vielen Laster und Lieferwagen, die auf Gehwegen fahren und stehen, machen sie damit auch kaputt.

Leidtragende dieses Umstandes sind alle nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer, sowie auch die Autofahrer, die mal nicht gerade im Fahrzeug sitzen: Die Breite der Gehwege wird durch Falschparker eingeschränkt; oft muss man im Gänsemarsch laufen, da nebeneinander kein Platz mehr ist. Abgesenkte Bordsteine an Kreuzungen können von Gehbehinderten, Rollstuhlfahrern und Menschen mit Rollatoren sowie Kinderwagen und Rad oder Roller fahrenden Kindern nicht genutzt werden. Blinde können sich bei zugeparkten Blindenleitsystemen nicht mehr orientieren.

Regelwidriges Parken an Kreuzungen sowie direkt vor Übergängen (Ampeln, Zebrastreifen) gefährdet insbesondere Kinder, die den Kreuzungsbereich nicht einsehen können (und nimmt zudem abbiegenden Autofahrern die Sicht, die dadurch wiederum andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen).

Unsere bisherigen Aktivitäten dazu:

Der FUSS e.V. Hamburg versucht durch einen regelmäßigen Dialog mit den zuständigen Behörden, Polizeikommissariaten und vor allem auf Veranstaltungen zu dem Thema Mobilität auf dieses Thema aufmerksam zu machen und bei Planungen von Verkehrsanlagen und Straßenräumen die Interessen von Fußgängerinnen und Fußgängern zu vertreten.

Der Fußgängerverkehr hat in Hamburg einen Anteil von mehr als 28% im Model Split (Stand 2008), in städtischen Stadtteilen (Altona, Barmbek, Eimsbüttel, Winterhude etc.) liegt er sogar noch deutlich höher.

Forderungen des FUSS e.V. Hamburg:

Der FUSS e.V. Hamburg fordert ein konsequentes Vorgehen der Polizei, indem bei regelmäßigen Kontrollen (insbesondere in den Morgenstunden, wenn auch Schulkinder unterwegs sind) Falschparker abzettelt werden und bei Bedarf durch das Abschleppen der Fahrzeuge wieder die Mobilität von Fußgängern gewährleistet wird. Wie soll sonst bei Rücksichtslosparkern ein Lerneffekt erzielt werden?

Wenn eine Parkraumüberwachung durch die Polizei nicht zu leisten ist, sind an einigen Stellen ggf. bauliche Maßnahmen (wie Poller, Geländer oder ähnliches) zielführend.

Zudem wäre eine Kampagne bzw. Aufklärung zum Fußverkehr eine sinnvolle Maßnahme. Im Rahmen dieser Kampagne können der Gesundheitseffekt des Zufußgehens und die positiven Auswirkungen auf das Stadtleben betont und bei Autofahrern um Rücksicht und Bewusstsein zu den Folgen des Gehwegparkens geworben werden.